Die Sicht aufs Produkt verändert das Produkt

Wissenschaftliche Untersuchungen mit Erdmännchen-Gruppen sprechen dafür, dass unterschiedliche Blickwinkel und divergierende Interessen innerhalb der Gruppe zu besseren Ergebnissen führen, als wenn zu viel Einigkeit herrscht. Eine vergleichbar positive Dynamik erleben die Projektteams aller Waldner Sparten in der Zusammenarbeit immer wieder, gerade bei der Neuentwicklung von Produkten. Damit die aufs Beste gelingt, braucht es Reibung untereinander – und Kompromisse. 

Jede neue Sichtweise beflügelt das Ergebnis.

Vergleicht man die Produktsparten von Waldner miteinander, scheint klar: Hier treffen Welten aufeinander! Abgesehen von ihrer Allgäuer Herkunft haben sie offenbar so gar nichts gemein. Koloss-artige Verpackungsmaschinen reihen sich neben agil arbeitende Prozessanlagen und hochmoderne Laborkomponenten, deren steriles Weiß bereits optisch eine eigene Welt aufmacht. 

Dass der Weg zum neuen Produkt bei aller Verschiedenheit der Sparten dennoch erstaunlich ähnlich ist, offenbart ein tiefergehender Blick. 

Den Mensch sehen, um Antworten zu finden 

„Vor jeder Planung schauen wir zunächst sehr genau hin, wen wir da vor uns haben. Was will dieser eine Kunde? Was braucht er bzw. was bauchen seine Mitarbeitenden?“ erklärt Klaus Ohlinger, technischer Leiter bei Prozessanlagen, den ersten Schritt jeder neuen Entwicklung und ergänzt: „Das fertige Produkt, das am Ende vor uns steht, ist somit immer die bestmögliche, aktuell verfügbare Antwort auf ebendiese Anforderungen.“ 

Dass individuelle Produktantworten am besten im engen persönlichen Austausch entstehen, ist Konsens bei Waldner. „Konkret geäußerten Wünsche, aber auch nur im Nebensatz erwähnte Herausforderungen der Anwender, bringen uns in der Entwicklung sprunghaft voran, im Nachgang vor allem den Nutzer, aber oft auch die ganze Branche“, erzählt Moriz Walter, Leiter Produktentwicklung bei Laboreinrichtungen, und nennt als ein Beispiel den Secuflow Vision, dessen Neuerungen von Design Thinking Workshops mit Laboranten inspiriert sind. 

„Letztendlich entscheidet immer der Markt, also unsere Kunden, über ein neues Produkt. Der genialste Einfall unserer Entwickler, der idealste Prototyp unserer Konstrukteure ist nichts wert, wenn er im Schaufenster stehen bleibt wie ein Stuhl mit goldenen Beinen, den kein Mensch braucht, geschweige denn bezahlen will.“ 

Äußere Impulse reinholen 

Während die Laborsparte für maßgeschneiderte Kundenantworten auf ein modulares Konzept zugreift und äußere Impulse durch Workshops, Lab-Cafés, Diskussionsformate und Analysen der Benutzergruppen ins Entwicklungsteam bringt, sind die Vorzeichen im Bereich „Metall“ anders gesetzt: Prozessanlagen und Verpackungsmaschinen baut Waldner auftragsbezogen, also marktunabhängiger. 

„Wir stellen praktisch nie zweimal genau das Gleiche her, sondern fertigen immer personalisierte Unikate“, formuliert Ohlinger die Herausforderung seiner Kundenansprüche. Die gewünschten anwendungsspezifischen Vorgaben dokumentieren Ohlinger und sein Team von Anfang an im Lastenheft, gleichen darüber jeden Projektfortschritt und jede Modifikation mit ihren Auftraggebern ab und nähern sich so dem idealen Ergebnis. Vergleichbar ist der Ablauf bei den Verpackungsmaschinen. 

 Wie sein Kollege Ohlinger schätzt auch Fabian Hecht, Leiter Konstruktion bei Verpackungsmaschinen, seine Auftraggeber und deren Mitarbeitende deshalb gleichzeitig als externe Sparringspartner. 

„Ausgewiesene Experten fürs eigene Produkt sind unsere Kunden. Wir brauchen ihre Mitsprache in eigener Sache und fordern sie regelmäßig ein“, so Hecht über den Wert der Zusammenarbeit, die im Projekt über wöchentliche Jour fixe gepflegt wird. 

Perspektive wechseln, bis alles läuft 

Während des gesamten Projektverlaufs übernimmt das Entwicklerteam „immer wieder bewusst die Perspektive der Anwender“, erklärt Hecht das aufwändige Vorgehen im Entwicklungsprozess, das auch den kompletten Aufbau der Maschine in den Waldner Werkshallen einschließt: 

„In der Praxis können das bis zu drei Stockwerke sein, gute 30 x 10 Meter, die wir real in Betrieb nehmen, einmal trocken und einmal mit Produkt durchlaufen lassen, bevor wir das Ganze wieder abbauen und transportfertig machen“, so Hecht weiter. Mit der eigenhändigen Inbetriebnahme beim Kunden endet der Perspektivwechsel für Hechts Team jedoch nicht, Wartung und Serviceeinsätze vor Ort werden folgen. 

Reibung aushalten und nachjustieren 

Dass bei gemeinsam errungenen Entwicklungsschritten auch Reibung entsteht, ist bei Waldner Teil der Idee. „Harte Diskussionen gehören zu jeder Produktentwicklung dazu“, unterstreicht Moriz Walter. In seiner Funktion als Produktmanagement-Leiter kennt er die Dynamiken, die intern, aber auch im Austausch mit den beteiligten Zulieferern oder den Kunden direkt entstehen. 

„Je mehr Menschen ihre Perspektive einbringen, umso mehr muss natürlich verhandelt werden. Maximale Verwendung von neuesten Technologien, wie sie unsere Entwickler am liebsten hätten, stehen dann z. B. höheren Kosten des Endproduktes entgegen. Am Ende muss die eingesetzte Technologie und die sich daraus ergebenden Features für den Nutzer einen positiven Kosten-Nutzen-Effekt ergeben.“, sagt Walter. 

Für die bestmögliche Kundenantwort heißt es deshalb immer wieder: Reibung aushalten, Kompromisse finden, nachjustieren. Konstruktives Trial-and-Error nutzt auch Ohlinger für die Entwicklung neuer Prozessanlagen: „Spätestens wenn wir unseren Kunden ihre 1:1-Mockups ihrer Produkte erstellen, bringt uns das auf den Boden der Tatsachen“, erzählt er aus der Praxis. „Wenn der Verwender dann die Waage nicht erreicht, zeigt das ja nicht, dass sein Arm zu kurz ist, sondern dass die Waage – speziell für ihn – eben noch nicht optimal ausgerichtet ist“, fährt Ohlinger fort und fasst spartenübergreifend zusammen: „Indem wir unsere Vorstellungen aneinander reiben, brechen eingespielte Muster auf und es kann Neues, Besseres, entstehen.“ 

Die Sicht vieler aufs Produkt verbessert das Produkt 

Dass unterschiedliche Blickwinkel in einer Gruppe das Ergebnis beflügeln, erfahren Projektteams aller Waldner Sparten, das Laborteam zuletzt bei der neuen Mediensäule, die im produktiven Mix aus interner Idee und externen Impulsen von Verwendern bis Architekten entstand. 

Bei den eingangs erwähnten Erdmännchen-Gruppen brauchte es für bessere Ergebnisse – neben unterschiedlichen, voneinander abweichenden Interessen – vor allem eins: ein gemeinsames Hauptziel! Gut möglich, dass Menschenteams ähnlich funktionieren. 

Ob neues Produkt oder wachsende Klima-Herausforderung: Für die bestmögliche, aktuell verfügbare Antwort sollte dieser flexible Weg aus dem eigenen Tunnelblick zumindest jeden Versuch wert sein. Umso mehr, je schneller sich Anforderungen ändern! 

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