Plastikfreie Zone Meer

Eine hochmoderne Forschungsstation – das ist es, was mit der REV Ocean in See stechen wird. Das Forschungsschiff soll Wissenschaftlern beste Voraussetzungen bieten, den Zustand der Weltmeere zu untersuchen und konkrete Lösungsansätze für Umweltprobleme zu entwickeln. Wir sind ein wenig stolz, wenn wir darüber berichten, denn Waldner Labortechnik ist mit an Bord.

Hochseetaugliche Labore für die REV Ocean

Die Initiative geht auf den norwegischen Milliardär Kjell Inge Røkke zurück. Er unterzeichnete die Kampagne „The Giving Pledge“, die von Bill Gates und Warren Buffett ins Leben gerufen wurde. Die Unterzeichner verpflichten sich darin, mindestens 50 % ihres Vermögens zu spenden. Røkkes Projekt ist die REV Ocean. Er finanziert nicht nur zu einem großen Teil das Schiff, sondern auch den laufenden Betrieb. „Ich habe dem Meer viel zu verdanken“, sagt Røkke zu seiner Motivation, „jetzt möchte ich davon etwas zurückgeben“. Der Norweger begann seine Laufbahn auf einem Trailer vor der norwegischen Küste, bevor er für einige Jahre in die USA ging. Heute ist er Hauptanteilseigner der Aker ASA, die Investitionen im Offshore-, Fischerei-, Werft- und Konstruktionsbereich hält. Die REV Ocean lief in Rumänien vom Stapel und erreichte später die Werft Brattvaag in Norwegen. Dort wurde die Forschungstechnik eingebaut. Die knapp 183 Meter lange Yacht erhielt bereits einen Kran, ein U-Boot mit 2.300 m Tauchtiefe und ein Trawler- System, das Fische und andere Meerestiere aus bis zu 3.000 m Tiefe einfangen kann.

Modernste Labortechnik auf hoher See

Die Labore für die REV Ocean lieferten Waldner und der Partner HECO – Laboratorieutstyr AS aus Oslo. Sie statteten 13 Räume aus: verschiedene Nasslabore, ein biologisches, ein chemisches und ein Ausbildungslabor. Damit steht alles bereit, um direkt an Bord der REV Ocean ökotoxikologische, geologische und biologische Analysen durchzuführen. Das Vorkommen verschiedener Verbindungen, Isotope oder von Mikroplastik und die Wasserqualität können unmittelbar bestimmt werden. Labore auf einem Schiff bringen einige Besonderheiten mit sich, die selbst Laborprofis wie uns herausfordern. „Das war schon eine knifflige Aufgabe“, berichtet Thomas Kind, der das Projekt durch die Angebots- und Planungsphase begleitete. „Die Planung und das Engineering waren besonders aufwändig, denn die Anforderungen waren vielfältiger und differenzierter als an die Gebäude, die wir sonst ausstatten.“

Speziallösungen und Spürgeist

Die Räume in der Yacht sind sehr klein und haben eine extrem niedrige Deckenhöhen von nur 2,10 m. Abzüge z. B. mussten ganz anders ausgelegt werden als für die ansonsten üblichen hohen Laborräume. Die Arbeitshöhe ist niedriger und die Frontschieber können nur begrenzt geöffnet werden. Alle Schränke und Geräte werden so angebracht, dass sich die Verankerungen unter keinen Umständen lösen können. Das gilt besonders für die Sicherheitsschränke. Christof Wetzel aus dem Projektteam berichtet: „So ein Sicherheitsschrank wiegt ein paar hundert Kilogramm. Der darf natürlich auch bei schwerstem Seegang nicht ins Rutschen geraten, den hält keiner mehr auf. Um so etwas auszuschließen, haben wir spezielle Halterungen entwickelt.“ Die Motoren werden das Schiff ständig in Vibration versetzen. Das schließt Schrauben als sichere Befestigungsmittel aus. Stattdessen wird geschweißt, z. B. die Winkel für die Medienzellen an der Wand. Die Medienträger werden zusätzlich verklebt. Auch die Gasleitungen müssen aus Sicherheitsgründen komplett verschweißt werden, anders als ansonsten bei den Waldner Mediensystemen üblich. „Unsere präzise Arbeitsweise kommt uns hier sehr zugute“, erzählt Wetzel. „Vieles musste schon im Rohbau durch den Schiffsbauer vorbereitet werden, also schon im Vorfeld ganz genau definiert sein.“ Z. B. mussten die Sandwichwände des Schiffs überall dort verstärkt werden, wo später Hängeschränke angebracht werden. Nur so können sie dieser Last standhalten. Eine Besonderheit ist auch der ständige Kontakt mit Salzwasser, dem gerade die Nasslabore ausgesetzt sind. Hier kommen Spezialmaterialien zum Einsatz, die extrem korrosionsbeständig und absolut wasserfest sind: Edelstahl in einer Qualität, die ansonsten nur im Außenbereich verbaut wird (V4A) und Sockel in Vollkern-HPL (High Pressure Laminat). Überall wurden berührungslose Armaturen verbaut, da sie bei häufigen Berührungen sehr schnell korrodieren würden. Schließlich erfordert auch der Einbau viel Spürgeist und Findigkeit. Die Labore liegen in den Unterdecks und die Stiegen und Durchgänge sind sehr schmal. Für die größeren Bauteile müssen eigene Zugänge ins Schiffsinnere gefunden werden. Zum Teil werden sie durch Versorgungsluken an Bord gebracht. Die Sicherheitsschränke konnten selbst so nicht an Ort und Stelle gebracht werden. Für sie musste ein Loch ins Deck geschnitten werden, das anschließend wieder verschweißt wurde.

Plastikmüll und Klimawandel erforschen

Ihre letzte Ausstattung erhält die REV Ocean in Bremerhaven. Auch wenn sich der Zeitplan insgesamt verzögert, arbeitet das gesamte Team hoch motiviert darauf hin, dass das Schiff so bald wie möglich seine Arbeit aufnehmen kann. Dann werden auf dem bis dato weltgrößten Forschungs- und Expeditionsschiff 60 Forscher Arbeitsplätze und Unterkunft finden. 30 Crewmitglieder versorgen die Mannschaft und das Schiff. Die Forschungsarbeit wird sich den Themen Plastikmüll, Klimawandel, der Überfischung der Meere und den negativen Umwelteinflüssen der Fischerei widmen.

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