Technik für Produktdesign oder der Tanz der Servomotoren

Von wegen mündig und informiert: Wenn einem allein schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenläuft, treten Informationen über den Inhalt in den Hintergrund. Das ist besonders dann der Fall, wenn es sich um so etwas Verlockendes wie weiße und dunkle Schokolade handelt, die in einem Spiralmuster ineinander verschlungen ist und am Ende in ein hübsches Zackenmuster übergeht. Alles gut sichtbar durch den Glasbehälter. Einfach unwiderstehlich.

Produktdesign am Beispiel Schokocreme

Das bestätigen Studien, wie z. B. die vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin: Wir entscheiden hauptsächlich über den optischen Eindruck. Nicht umsonst sind Food Stylisten weltweit gefragte Fachleute. Die Kunst beim Stylen von Lebensmitteln besteht darin, Schlüsselbilder in die Köpfe der Kunden einzupflanzen. Damit klar ist, dass es dieses Spiralmuster mit Zacken am Ende nur von dieser bestimmten Marke gibt.

Nun sind Food Stylisten eher darauf spezialisiert, Lebensmittelprodukte optisch ansprechend zu fotografieren. Die Kunst, Lebensmittel auch gleich optisch ansprechend abzufüllen, beherrschen hingegen die Experten von Waldner Dosomat. Denn hinter dem Traum aus weißer und dunkler Schokolade steckt jede Menge Ingenieurwissen und ausgetüftelte Technik. „Vor fünf bis zehn Jahren wäre so etwas auch noch nicht möglich gewesen“, sagt Michael Finkenzeller, Vertrieb Dosomat. Es brauchte erst die dazu notwendige Technik: einzeln ansteuerbare Servomotoren und 3D-Drucktechnik. Denn um zwei verschiedene Massen in einem Spiralmuster in ein Gefäß zu füllen, sind Servomotoren auf drei Achsen vonnöten: Auf der ersten Achse bewegt sich der Motor zum Glasboden und wieder hinaus, die zweite Achse vollführt die Drehung und die dritte Achse bewegt den Motor in horizontaler Richtung, um z. B. auch Zacken möglich zu machen.

Ballett der Servomotoren

„Der eigentliche und nicht unerhebliche Aufwand steckt inzwischen in der Kreation, bzw. der Umsetzung des Musters“, erklärt Michael Finkenzeller. „Wir müssen mit dem Originalprodukt arbeiten, um die Motoren perfekt auf die Viskosität einzustellen, und wir müssen den gesamten Ablauf des Musters individuell programmieren.“ Der zweite entscheidende technische Fortschritt ist die 3D-Drucktechnik. Denn um die Masse mit einem Muster einzufüllen, braucht es besondere Ventile. Jedes hat eine ganz individuelle Form. „Diese entwerfen unsere Ingenieure je nach Anforderung direkt am PC. Solch einen Entwurf mit einer klassischen Fräsmaschine umzusetzen wäre viel zu aufwändig, kostspielig – und oftmals unmöglich“, sagt Finkenzeller. „Mit unserem 3D-Drucker können wir nahezu alle Formen realisieren, das sieht dann nicht nur gut aus, sondern die anspruchsvollen Entwicklungen begeistern unsere Ingenieure auch noch richtig.“ Gemeinsam mit der ausgeklügelten Antriebstechnik können so fast unendlich viele Formen und Muster kreiert und realisiert werden. Dabei muss es nicht immer Schokolade sein. Auch bei abgepackten Fertiggerichten können die unterschiedlichen Zutaten nicht nur exakt portioniert, sondern auch platziert werden. Dies sorgt für einen ansprechenden Anblick des Menüs. Denn, ob Fertiggericht oder Schokocreme, das Auge isst schließlich mit – und entscheidet beim Griff ins Supermarktregal.

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